#1

Esbat - Geschichten

in Forum des Sabbat 13.11.2025 22:13
von Lex • 335 Beiträge

Das Niemandsland – Eine Sabbat-Erzählung

Sie sagen, zwischen den Städten liegt nichts – nur kalte Erde, Wind und Vergessen. Doch wer genau hinhört, hört dort die Stimmen derer, die fielen. Acht Rudel. Zerrissen. Verraten. Verbrannt. Und einer, der überlebte – um das Urteil zu vollstrecken. Vlad hatte gesprochen: „Findet ihn. Bringt ihn mir. Lebend.“

So zogen wir hinaus, zwischen Marl und Hagen, dorthin, wo kein Prinz herrscht und keine Domäne den Boden beansprucht. Ein Ort, an dem nur das Blut spricht. Ich erinnere mich an den Nebel – er hatte Zähne. Er fraß das Licht der Scheinwerfer, das Dröhnen eines Motors, den Geruch von Tremere-Zaubern. Wir warteten. Der Duktus stand auf dem Überführungssteg, eins mit der Dunkelheit. Der Priest flüsterte zu den Toten, ließ sie in den Nebel atmen. Ein Member hielt den Weg, ein Turm aus Fleisch und Wille. Und ich kniete im Gras, spürte, wie die Vitae der Gefallenen unter der Erde bebte. Als das Licht kam, wussten wir: Es war er. Wilfried Haseneber. Archont. Tremere. Mörder.

Seine Schutzzeichen brannten selbst durch den Nebel. Schon bevor er uns sah, begann die Luft zu beißen, und die Vitae in unseren Körpern kochte auf –
ein Ritual gegen Kainiten, ein Fluch gegen unsere Art. Wir hielten stand. Als der Wagen stoppte, öffnete sich die Tür – und er trat hinaus, in Flammen gehüllt, seine Haut leuchtend vor Feuerzaubern. Er war kein Feigling. Er kam, um zu kämpfen. Sein erster Schlag traf den Priest – schmerzhaft, augenblicklich. Ich hörte, wie mein Bruder schrie und lachte zugleich. Dann fiel er in Raserei. Er riss durch den Nebel, zerrte den Tremere aus dem Gleichgewicht, während der Duktus die Schatten beschwor, um ihn zu binden. Eines der Member stürmte hinein, das Knochenschwert erhoben, Flammen leckten über seine Schultern. Haseneber schleuderte Feuerbälle, jeder von ihnen brannte durch den Nebel wie eine Sonne. Doch das Rudel wich nicht. Wir waren nicht die Camarilla – wir waren der Sabbat, und wir kannten keinen Schmerz, nur Zweck.

Als Haseneber schwankte, griff ich an. Ich trat in die Glut seiner Aura, ließ mein Fleisch sprechen. Die Runen auf seiner Haut schnitten in meine Hand – aber ich wich nicht zurück. Mit dem Rapier durchbohrte ich ihn, präzise, kontrolliert. Er keuchte, versuchte einen Zauber – doch des Duktus Schatten brachen über ihn herein, banden seine Arme, zerdrückten das Licht in seinen Augen. „Ich nehme dir nicht dein Leben,“ sagte ich zu ihm, „nur deine Bewegung.“ Dann vollendete ich es. Die Fleischformen schlossen sich über ihn, und er erstarrte. Fleisch wurde Stein, Blut wurde Glas. Seine Magie fiel in sich zusammen wie Rauch, der keinen Wind mehr findet. Stille. Kein Jubel, kein Triumph. Nur die Nacht, die wieder atmete. Wir ließen ihn dort liegen, in der Asche seiner eigenen Runen. In Topor. Und als der Nebel sich schloss, wusste ich, dass Vlad sein Urteil bekam. Acht Rudel. Ein Archont. Eine Wahrheit: Ordnung wird nicht verhandelt.

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#2

RE: Esbat - Geschichten

in Forum des Sabbat 13.03.2026 21:40
von Lex • 335 Beiträge

Das Feuer knisterte. Nicht groß. Nicht hell. Gerade stark genug, um die Gesichter im Kreis sichtbar zu machen.Der Wind strich durch die dunklen Bäume, während einer aus dem Rudel begann zu sprechen. „SIe sind weit gereist.“ Eine Pause. „Weiter als die meisten von uns je zuvor.“ Die Flammen warfen Schatten über ihre Gesichter. „Sie gingen dorthin, wo der Drache schläft.“ Ein leises Murmeln ging durch den Kreis. Vlad. Der Erzähler fuhr fort. „Der Weg war nicht für sie gemacht. Alte Erde. Alte Mauern. Ein Ort, an dem selbst das Blut flüstert.“ Er sah in die Runde. „Und doch gingen sie hinein.“ Ein kurzer Blick zu Ruffneck. „Der erste, der geprüft wurde, war Ruffneck.“ Ein Grinsen huschte über einige Gesichter. „Ruffneck – der glaubt, Stärke sei alles.“ Die Flammen knackten. „Der Drache schickte ihm eine Kreatur aus Fleisch und Schmerz. Ein Ding, das einst Mensch gewesen war.“ Der Erzähler machte eine kurze Bewegung mit der Hand. „Ruffneck kämpfte.“

„Und?“, fragte jemand aus dem Kreis. „Und er gewann.“ Ein paar nickten zustimmend. „Aber das war nicht die Prüfung.“ Stille. „Der Drache zeigte ihm, dass wahre Stärke nicht das ist, was du zerbrichst.“ Der Erzähler sah Ruffneck direkt an. „Sondern das, was dich zerbrechen könnte – und es nicht tut.“ Ein zustimmendes Knurren ging durch das Rudel. Dann wandte er sich Hyde zu. „Danach trat der Priester vor.“ Hyde saß ruhig da. Das Feuer spiegelte sich in seinen Augen. „Der Drache fragte ihn nicht nach Glauben.“ Eine Pause. „Er fragte nach Verrat.“ Einige im Kreis wurden aufmerksamer. „Würdest du dein Rudel verraten?“ Der Erzähler sah kurz über die Schulter. „Hyde sagte Nein.“ Einige nickten. Andere grinsten. „Der Drache drückte weiter.“ „Und?“ „Hyde blieb stehen.“ Das Feuer knackte laut. „Er sagte: Ich werde alles tun, um mein Rudel lebend aus dieser Halle zu führen.“ Ein leises zustimmendes Murmeln. „Der Drache erkannte ihn.“

Der Erzähler ließ den Blick nun weiterwandern. „Karl stand dabei.“ Er hob leicht das Kinn. „Nicht jeder Kampf braucht Worte. Nicht jede Stärke braucht eine Bühne.“ Ein kurzer Blick zu ihm. „Manche stehen einfach. Und wenn die Zeit kommt, sind sie da.“ Karl reagierte nicht. Doch einige im Rudel nickten. Dann fiel der Blick auf Dark. „Und der Duktus.“ Die Stimme des Erzählers wurde ruhiger. „Der Duktus beobachtete.“ Eine kurze Pause. „Denn ein Duktus weiß, wann man eingreift.“ Ein Blick auf Dark. „Und wann man sein Rudel selbst wachsen lässt.“ Dann senkte sich die Stimme. „Doch der letzte, der vor den Drachen trat…“ Das Feuer knackte wieder. „…war Robin.“

Einige beugten sich leicht vor. „Der Drache erinnerte ihn.“ Der Erzähler ließ sich Zeit. „Er ließ ihn den Schmerz seiner Erschaffung erneut fühlen.“ Ein Raunen. „Nicht als Erinnerung.“ „Sondern als Wahrheit.“ Die Flammen tanzten höher. „Der Drachensohn stand.“ Eine Pause. „Und fiel nicht.“ Der Erzähler blickte in die Runde. „Als er zurückkehrte, wusste jeder vom Rudel…“ Er sah Robin kurz an. „…dass der Drache ihn gesehen hatte.“ Das Feuer brannte ruhig weiter. Dann kam der letzte Satz. Leise. „Und als sie gingen, wussten sie:“ Der Erzähler grinste leicht. „Der Drache hatte sie nicht verbrannt.“ Eine kurze Pause. „Also mussten sie etwas richtig gemacht haben.“ Gelächter ging durch den Kreis. Das Feuer knisterte. Und irgendwo in der Dunkelheit hörte man einen Wolf heulen.

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